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Bekassine 1 Titelbild

Frühling in einem Moorgebiet in Nordeuropa: Ein Vogel steigt auf eine Höhe bis 50 m, dreht dort seine Kreise über dem Revier, kippt plötzlich jäh zur Seite ab und stürzt sich mit ausgebreiteten Flügeln und breit gefächertem Schwanz nach unten. Dabei erzeugen die abgespreizten äussersten Steuerfedern (Schwanzfedern), die im Luftstrom vibrieren, ein Geräusch, das wie das Meckern einer Ziege tönt.

Aufgrund der spektakulären Balzflüge der Männchen hat die Bekassine regionale und populäre Namen wie beispielsweise „Meckervogel“ oder „Himmelsziege“ erhalten. Mit ihren Balzflügen grenzen die Männchen ihr Brutrevier ab, sie sind für Vogel-beobachter ein einzigartiges Schau- und Hörspiel. Leider müssen wir Schweizer ins Ausland reisen, wenn wir dieses Spektakel sehen möchten, da die Bekassine bei uns praktisch nicht mehr brütet.

Bekassine 2 Steuerfedern

Eine weitere Lautäusserung, die der Vogel aber mit der Stimme erzeugt, könnte man als „räätsch“ bezeichnen. Es ist dem Geräusch ähnlich, das beim Herausziehen eines Gummistiefels aus dem Schlamm entsteht. Dieses Geräusch erzeugt die Bekassine, wenn sie vom Boden aufgescheucht wird und im Zickzackflug das Weite sucht. Manchmal ist dabei ihr rotbrauner Schwanz mit dem hellen Spitzensaum am Schwanzende zu sehen.

Bekassine 3 rotbrauner Schwanz

Die Bekassine ist der häufigste Schnepfenvogel Europas und etwa so gross wie eine Amsel. Von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende misst sie zwischen 23 und 28 cm, davon entfallen rund sieben Zentimeter auf den Schnabel. Dieser ist überproportional lang und gerade, ein sehr auffälliges Kennzeichen.

Die Bezeichnung Schnepfe leitet sich vom althochdeutschen Wort „snepfa“ ab und bedeutet vermutlich einfach „Schnabel“.

Bekassine 4 Gefieder

Das Gefieder der Bekassine ist braunweiss gemustert, der Bauch weiss. Ins Auge sticht der gelblich-beige Streifen auf dem Kopf, solche Streifen zieren auch die Oberseite des Vogels. Diese Farbtöne sind eine gute Tarnung, die für die bodenbrütende Bekassine wichtig ist.

Eine enge Verwandte ist die Zwergschnepfe, sie sieht der Bekassine zum Verwechseln ähnlich. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal ist aber der dunkle Scheitel der Zwergschnepfe.

Bekassine 5 Zwergschnepfe

Bekassinen benötigen als Lebensraum grosse, mit Gräben und Tümpeln durchsetzte Feuchtgebiete, Wiesen, Torfmoore, Sümpfe, Gewässer mit Flachwasserzonen und an den Küsten Salzwiesen.

Das Brutgebiet der Bekassine umfasst die ganze Nordhälfte Eurasiens von Island und den Britischen Inseln bis zur Halbinsel Kamtschatka (Russland). Brutvögel aus Mitteleuropa sind Kurzstreckenzieher und verbringen den Winter vor allem in Südfrankreich, Spanien und Portugal.

Bekassine 9 Reserve

Bekassinen führen eine Saisonehe, das Weibchen sucht den Nistplatz aus. Das Bodennest ist eine flache Mulde auf einem leicht erhöhten Standort, der durch Halme, Zwergsträucher oder andere Vegetation eine gute Deckung bietet. Die Mulde wird mit trockenen Grashalmen und dürrem Pflanzenmaterial ausgepolstert. Die Eiablage findet Ende April oder im Mai statt. Das Weibchen legt im Abstand von 24 Stunden vier Eier. Es bebrütet sie während rund 20 Tagen, das Männchen hält in dieser Zeit in Sichtnähe Wache.

Bereits am ersten Tag nach dem Schlüpfen verlassen die Jungvögel das Nest (sie sind Nestflüchter) und gehen gemeinsam mit ihren Eltern auf Nahrungssuche. Auf dem Speiseplan stehen Insekten und deren Larven, Würmer, Schnecken und Krebstierchen, gelegentlich auch Sämereien und Beeren.

Da Jungvögel oft Feinden zum Opfer fallen, lenkt die Bekassine mit ihrem Trick des „Verleitens“ vom Nest oder den Jungen ab: Der Altvogel entfernt sich vom Nachwuchs und macht auf sich aufmerksam, indem er zum Beispiel den Schwanz auf- und abklappt und ihn gleichzeitig spreizt. Auch andere Watvögel greifen zu solchen Mitteln und täuschen eine Verletzung vor, allerdings müssen sie aufpassen, dass sie dabei nicht selbst einem Fressfeind zum Opfer fallen.

Etwa drei Wochen nach dem Schlüpfen machen die Jungvögel Flugversuche, es dauert aber noch ein zwei bis drei Wochen, bis sie die volle Flugfähigkeit erreichen und den vor Feinden lebensrettenden Blitzstart im Griff haben.

Bekassine 6 Gruppe

Der Schnabel der Bekassine ist ein Hightech-Werkzeug. Es würde den Rahmen sprengen, hier dessen Aufbau und „Mechanik“ im Detail zu erklären. Zur Nahrungssuche im Schlamm oder Boden sticht der Vogel seinen langen Schnabel oft ganz in den Untergrund. Das setzt voraus, dass sich der Schnabel nicht verbiegt oder gar abbricht. Speziell ist, dass die Schnabelspitze sehr sensibel und biegsam ist, sodass die ertastete Beute ergriffen und sogar bei im Boden steckendem Schnabel geschluckt werden kann.

Bei der Nahrungssuche stehen Bekassinen oft bis zum Bauch im Wasser.

Bekassine 7 Nahrungssuche

Die Bekassine wurde im Jahr 2013 in Deutschland zum Vogel des Jahres gekürt. Die Population hat in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten drastisch abgenommen. In Deutschland gibt es ca. 6000 Brutpaare, das ist noch etwa die Hälfte des Bestandes von vor 25 Jahren. Im 19. Jahrhundert kam die Bekassine in Deutschland gemäss Überlieferungen noch „fast überall in unglaublicher Menge“ vor.

In der Schweiz ist die Bekassine vom Aussterben bedroht und kann praktisch nur noch als Durchzügler im Herbst an Rastplätzen und als Wintergast beobachtet werden.

Bekassine 8 Groessenvergleich Graugans
Ein eindrücklicher Grössenvergleich: Die kleine, aber elegante Bekassine, die an einer Graugans vorbeispaziert.

 

Bekassine T

 

Die ausführliche Dokumentation zum heutigen Vogel des Monats für den Unterricht finden Sie hier: Bekassine .

Ich danke Edith und Beni Herzog herzlich für die interessanten Informationen und die wunderbaren Fotos. Auf ihrer Webseite benifotos.ch sind die Bilder grösser und noch prächtiger zu sehen.


Zielgruppe: 3. - 6. Klasse
Bezug Lehrplan 21: NMG 2.1 NMG 2.3 NMG 2.4 NMG.2.6

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